Trockenestrich – die schnelle, saubere Estrich-Alternative

Ob Neubau, Renovierung oder Modernisierung – ein unumgänglicher Bestandteil jedes Bauvorhabens ist der Estrich. Nassestriche auf Zement- oder Gipsbasis benötigen Mindestaufbauhöhen die vor allem im Renovierungsbereich nicht immer eingehalten werden können. Außerdem verursacht die Aushärtung des Bodens Stilliegezeiten auf der Baustelle, die Trocknung benötigt mehrere Wochen und ist nicht immer genau einschätzbar. Bodenleger müssen den Restfeuchtegehalt des neuen Estrichs prüfen, es kommt immer wieder vor, dass sich wegen mangelnder Austrocknung der Terminplan und damit die Fertigstellung des Bauvorhabens nach hinten verschiebt.

Abhilfe schaffen Trockenestrich-Systeme, die rasch auf dem Untergrund verlegt werden können, und nur minimale Aufbauhöhen benötigen. Der Trockenestrich ist damit die schnellere und auch saubere Alternative zum Flüssigestrich. Erfahren Sie von Ing. Christian Weißmann mehr über die Trockenestrichplatten und wie Sie die gängigsten Fehler beim Einsatz dieser Systeme vermeiden können.

Estrich, also die aufbauende Bodenschicht wird im Bau für mehrere Funktionen herangezogen:

  1. Haustechnik-Installationen im Boden zu ermöglichen
  2. Um den Druck gleichmäßig auf die darunterliegende Dämmung zu verteilen
  3. Um einen gleichmäßigen Untergrund für den Bodenbelag zu erreichen.
  4. Um für Trittschallschutz zu sorgen
  5. Um eine vorgegebene Höhenlage zu erreichen

Variable Ausführungen und technische Anforderungen des Trockenestrichs

Estrich-Elemente-Stufenfalz-Fermacell.jpg

Durch die Verklebung von zwei Gipsfaser-Platten entsteht ein Stufenfalz von 50mm. ©Fermacell

Trockenestrichplatten bestehen aus Gipsfaser und können unterschiedlich ausgeführt werden. So sind beispielsweise Platten verfügbar, die standardmäßig mit Mineralwolle oder Holzfaser ausgestattet sind. Die Trockenestrichplatten können je nach geforderter Lastklasse mit 20mm oder 25mm ausgeführt sein und entsprechen folgenden Anforderungen:
Nicht Brennbar bis F120
Schallschutz bis 30dB
Punktbelastung bis 4,0 kN
• Geeignet für Fußbodenheizungssysteme
• Geeignet für verschiedenste Fußbodenbeläge
Umweltfreundlich
• sofortige Begehbar- und Belegbarkeit
Wärmedämmend

Die Verlegung kann direkt auf den Untergrund oder auf drucksteifen Schüttungen erfolgen, die zum Ausgleich von Unebenheiten eingesetzt werden können. Trockenestrich setzt sich aus zwei versetzt angeordneten, verklebten 10mm oder 12,5mm dicken Gipsfaser-Platten zusammen. Durch diese Verklebung entsteht ein 50mm breiter Stufenfalz, der das Verlegen vereinfacht. Die Verlegung erfolgt schwimmend im „schleppenden Verband“.

Ein sorgfältiger Aufbau sorgt für den optimalen Einsatz des Trockenestrichs. © www.lindner-group.com

Ein sorgfältiger Aufbau sorgt für den optimalen Einsatz des Trockenestrichs. ©www.lindner-group.com

Vorbereitung auf neue Bodenverhältnisse

Bevor mit der Verlegung der Trockenestrich-Elemente begonnen werden kann, müssen folgende Randbedingungen abgeklärt werden:

Art und Eigenschaften der Rohdecke

  • Sind Ausbesserungen nötig?
  • Gibt es Unebenheiten?
  • Welche Aufbauhöhe ist nötig?

Geplanter Anwendungsbereich

  • Sind extreme Belastungen (z.B. durch schwere, stehende Gegenstände wie Klaviere oder andere Geräte) geplant?
  • Wo werden die Platten verwendet? (Nassräume, Flur, …)
  • Gibt es besondere Schallschutz-, Brandschutz-, Wärmeschutz- oder Feuchteschutz-Anforderungen?
  • Wie soll der fertige Boden aussehen?
  • Soll ein Bodenheizungssystem integriert werden?
Fermacell-Boden-Estrich-Weissmann

Die Einsatzgebiete von Trockenestrichplatten sind vielfältig und umfangreich. ©Fermacell

Flexibles Einsatzgebiet sowohl für Neubau als auch Altbausanierung

Prinzipiell können Trockenestriche für alle gängigen Einsatzbereiche genutzt werden: Die Platten können sowohl in Neubauten, als auch für die Renovierung von Altbauten genutzt und ebenso in Wohneinheiten, Bürogebäuden, Krankenhäusern, Industriegebäuden, öffentlichen Versammlungshallen und sogar Schwimmbädern verwendet werden.
Auch unterschiedliche Untergründe stellen für Trockenestrich keine Herausforderung dar. Trockenestrich kann auf Massivdecken ebenso wie auf Holzbalkendecken oder Stahlträgerdecken verwendet werden. Wichtig in der Verwendung ist nur, dass der Untergrund eben ist und durch geeignete Schüttungen optimal auf die späteren Bedingungen vorbereitet wurde.
Die Gipsfaser-Estrich-Elemente werden von links nach rechts im schleppenden Verband verlegt. Der Fugenversatz soll dabei mindestens 20cm betragen. Kreuzfugen sind zu vermeiden. Je nach Hersteller werden die Elemente entlang der Stufenfalze miteinander verklebt, verschraubt oder verklammert. Firma Lindner bietet mit Ihren NORIT-Platten sogar ein einzigartiges Klick-System, das für eine planebene Oberfläche sorgt.

Nach der Verlegung des Trockenestrichs gibt es hinsichtlich der Gestaltung beinahe keine Einschränkungen. Es können Teppich- oder andere elastische Bodenbeläge ebenso wie Fliesen oder Parkett bzw. Laminat eingesetzt werden. Vorsicht ist nur bei Belägen geboten, die eine spezielles Klebesystem verlangen (z.B. Fliesen). Hier wird empfohlen, mit dem Hersteller abzuklären, ob das System für Trockenestrich freigegeben ist.

Vorbereitung des Untergrundes:

Wichtig ist, dass der Untergrund und die Randbereiche frei von Öffnungen wie Astlöchern, Rissen oder Fugen mit dahinter liegenden Hohlräumen sind. Diese müssten mit Spachtelmassen verfüllt oder mit Abdeckungen wie Hartfaserplatten belegt werden. Federnde Unterkonstruktionen wie z. B. lose Holzdielen müssen fixiert werden.
Je nach Untergrund muss gegebenenfalls eine Abdichtung unter der Schüttung entsprechend den bauphysikalischen Regeln angeordnet werden:

Betondecke: ≥ 0,2 mm dicke PE-Folie
Erdberührende Betonplatte: spezielle Feuchteabdichtung nach DIN 18195
Holzbalkendecke: möglichst keine PE-Folie. Empfehlenswert ist ein diffusionsoffenes Wachspapier oder Krepp-Rieselschutz

Randdämmung:

Zur Vermeidung von Schallbrücken und zur Aufnahme von Dehnungen sind Randdämmstreifen je nach Raumgröße anzuordnen (Dicke mind. 10 mm). Derartige Fugen sind auch bei allen angrenzenden Bauteilen, z. B. Heizungsrohren, auszuführen. Randdämmstreifen sollten erst nach der Oberbelagsverlegung abgeschnitten werden.

Tipps zu Vermeidung von Fehlerquellen

Keinesfalls können Trockenestrichplatten auf Mineralwolldämmplatten verlegt werden. Da diese Platten über zu wenig Druckfestigkeit verfügen, wird die Dämmung durch die Gehbeanspruchung „ausgewalkt“. Es entstehen Löcher und Wannen, der Fehler könnte zum Totalversagen des Estrichs führen. Wenn Sie für zusätzliche Trittschalldämmung sorgen möchten, machen Sie das am Besten durch das Einbringen von Weichfaserplatten auf die Schüttung.

Eine weitere Fehlerquelle bei der Verlegung von Trockenestrich-Elementen ist eine zu hohe Luftfeuchtigkeit. Die Einbringung und Verlegung sollte nicht bei einer mittleren Luftfeuchtigkeit über 70% erfolgen. Am besten erfolgt der Einbau bei einer Raumtemperatur von mind. 5°C und einer relativen Luftfeuchte von deutlich unter 70%.

Die Elemente müssen sich bei der Verlegung bereits dem Raumklima angepasst haben. © www.lindner-group

Die Elemente müssen sich bei der Verlegung bereits dem Raumklima angepasst haben. ©www.lindner-group.com

Die Elemente sollen sich bei der Verlegung bereits dem Raumklima angepasst haben und das Raumklima soll sich mindestens 24 Stunden nach der Verlegung nicht wesentlich ändern.

Sowohl die Estrich-Platten als auch die Schüttungen zuvor, dürfen erst verlegt werden, wenn die Putzarbeiten beendet sind und der Putz ausgetrocknet ist. Der Einsatz von Gasbrennern zur Beheizung kann zu Tauwasserbildung und damit zu Schäden führen und sollte deshalb vermieden werden.

Die maximal zulässigen Schütthöhen der Schüttung sind zu beachten. Je nach Produkt sollte diese meist nicht höher als 10 cm sein.

Wir vertrauen unseren Partnern – Fermacell GmbH und Lindner GFT GmbH

Beide gehören zu den Spezialisten in der Erzeugung von Gipsfaserprodukten und bieten wahre Qualität im Bereich des Trockenbaus. Die Unternehmen haben Standorte rund um die Welt und sorgen mit ihren Entwicklungen und ihrem Knowhow immer wieder für Innovationen im Trockenbau.

Falls Sie noch weitere Fragen zu den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Trockenestrich haben, oder bereits konkrete Projektvorstellungen uns mir besprechen möchten, senden Sie uns gerne ein E-Mail an office@weissmann.at oder kontaktieren Sie uns telefonisch unter +43 12597373.

Ich möchte Ihnen an dieser Stelle frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins Jahr 2018 wünschen und mich für Ihre Treue bedanken. Auch im nächsten Jahr lesen Sie in meinem Blog wieder aktuelle Neuigkeiten aus dem Trockenbau.

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